Übung am Pflüglerhof: Wenn jeder Handgriff sitzen muss
Realitätsnah üben, bevor es ernst wird
Feuerwehrübungen sind weit mehr als das Abarbeiten eines vorbereiteten Szenarios. Sie bieten die Möglichkeit, Abläufe zu trainieren, Einsatzmittel unter realen Bedingungen einzusetzen und sich mit den Besonderheiten verschiedener Objekte im Einsatzgebiet vertraut zu machen.
Genau deshalb führte die Feuerwehr eine Übung auf einem ansässigen landwirtschaftlichen Hof durch. Das weitläufige Anwesen mit seinen unterschiedlichen Gebäuden und besonderen örtlichen Gegebenheiten bot dabei ideale Voraussetzungen, um verschiedene Einsatzmöglichkeiten praktisch zu erproben.
Für die Einsatzkräfte galt es nun, schnellstmöglich eine Wasserversorgung aufzubauen, die Menschenrettung einzuleiten und gleichzeitig die Brandbekämpfung vorzubereiten.
Menschenrettung unter schwerem Atemschutz
Nach der Erkundung der angenommenen Einsatzlage gingen zwei Trupps unter schwerem Atemschutz in den betroffenen Bereich vor.
Ihr Auftrag: die vermisste Person schnellstmöglich zu finden und zu retten sowie die Brandbekämpfung einzuleiten.
Unter Atemschutz sind die Einsatzkräfte besonderen Belastungen ausgesetzt. Eingeschränkte Sicht, Hitze und die notwendige Schutzausrüstung erschweren die Orientierung und das Vorgehen. Umso wichtiger sind klare Absprachen, eine funktionierende Kommunikation und ein eingespieltes Vorgehen.
Im Rahmen der Übung konnten diese Abläufe praxisnah trainiert und das Zusammenspiel der eingesetzten Kräfte gefestigt werden.
Vom Brunnen bis zum Strahlrohr
Parallel zum Vorgehen der Atemschutztrupps wurde ein weiterer wichtiger Übungsschwerpunkt abgearbeitet: die Löschwasserversorgung.
Auf dem Hof steht ein Brunnen zur Verfügung, der für die Übung als Wasserentnahmestelle genutzt wurde. So konnte die gesamte Versorgungskette unter realistischen Bedingungen aufgebaut und getestet werden.
Von der Wasserentnahme über die Förderung und den Aufbau der Schlauchleitungen bis hin zur Wasserabgabe am Strahlrohr wurde der komplette Ablauf praktisch durchgeführt.
Damit konnte nicht nur überprüft werden, wie die vorhandene Wasserentnahmestelle genutzt werden kann. Auch die notwendigen Abläufe und Handgriffe wurden von den Einsatzkräften trainiert.
Denn wenn im Ernstfall Menschenleben in Gefahr sind und gleichzeitig ein Brand bekämpft werden muss, bleibt keine Zeit, sich erst mit den örtlichen Möglichkeiten vertraut zu machen.
Drehleiter: Wo ist der beste Aufstellplatz?
Ein weiterer Schwerpunkt der Übung lag auf der Drehleiter.
Bei einem Einsatz auf landwirtschaftlichen Anwesen können Gebäude aufgrund ihrer Größe und Bauweise besondere Anforderungen an die Einsatzkräfte stellen. Gleichzeitig müssen geeignete Aufstellflächen für die Drehleiter vorhanden sein, um das Fahrzeug sicher und effektiv einsetzen zu können.
Deshalb wurden verschiedene Bereiche des Hofes betrachtet und die Anleitermöglichkeiten an den Gebäuden überprüft.
Wo kann die Drehleiter positioniert werden? Welche Flächen sind ausreichend? Welche Zufahrten müssen freigehalten werden? Und von welcher Position aus kann im Einsatzfall eine möglichst große Fläche des Gebäudes erreicht werden?
Fragen, die sich am besten dort beantworten lassen, wo die Feuerwehr im Ernstfall tatsächlich arbeiten muss.
Die Einsatzstelle kennenlernen
Neben der eigentlichen Übung stand daher auch die Objektkunde im Mittelpunkt.
Die Einsatzkräfte konnten sich mit den Zufahrten, den vorhandenen Flächen, den Gebäuden und den Möglichkeiten zur Löschwasserversorgung vertraut machen. Gerade bei größeren landwirtschaftlichen Anwesen ist dieses Wissen im Einsatzfall von großem Wert.
Denn eine gute Vorbereitung beginnt lange vor dem eigentlichen Alarm.
Wer die örtlichen Gegebenheiten kennt, kann im Einsatz schneller Entscheidungen treffen, Einsatzmittel gezielter einsetzen und mögliche Schwierigkeiten frühzeitig berücksichtigen.
Gemeinsam für den Ernstfall vorbereitet
Die Übung hat gezeigt, wie wichtig regelmäßiges und möglichst realitätsnahes Training ist. Menschenrettung, Brandbekämpfung, Atemschutzeinsatz und Löschwasserversorgung mussten miteinander koordiniert werden. Gleichzeitig wurden die Möglichkeiten für die Aufstellung der Einsatzfahrzeuge und den Einsatz der Drehleiter überprüft.
So konnte die Feuerwehr wertvolle Erkenntnisse für einen möglichen Ernstfall gewinnen und die eigenen Abläufe weiter festigen.
Ein herzliches Dankeschön gilt den Verantwortlichen des Pflüglerhofes für die Möglichkeit, das Anwesen für diese Übung nutzen zu können.
Denn Vorbereitung schafft Sicherheit – und wenn es darauf ankommt, muss jeder Handgriff sitzen.